Im Volksmund wird als Pyromane bezeichnet, wer einen Hang oder eine Leidenschaft zum Feuer hat. Die Faszination, die Feuer auf den Menschen ausübt, ist jedoch absolut normal. Es ist auch nicht jeder, auf den diese Beschreibung zutrifft, tatsächlich ein Pyromane, denn der Begriff "Pyromanie" wird in unserem Sprachgebrauch oft missverständlich verwendet. Ebenso ist eine Vielzahl von Brandstiftungen nicht Ursache der Pyromanie, die ein offizielles Krankheitsbild beschreibt.

 

Was ist Pyromanie?


In unserem Sprachgebrauch ergibt sich die Problematik, dass der Begriff mehrdeutig belegt ist. Pyromanie im klassischen Sinne bezeichnet ein psychisches Krankheitsbild, das jedoch nur sehr selten auftritt. Zur Definition diverser Krankheitsbilder hat sich innerhalb der Psychologie eine internationale Einstufung, die sogenannte ICD-10 (International Classification of Diseases), durchgesetzt. Darin sind alle bekannten (auch psychischen) Erkrankungen in bestimmte Gruppen bzw. Kategorien gegliedert. Die Pyromanie fällt in die Gruppe F63. In diese Gruppe gehören neben den abnormen Gewohnheiten auch die Störungen der Impulskontrolle.

 

Abnorme Gewohnheiten sind solche, die von der Norm abweichen. Die Norm bezeichnet dabei konkrete Handlungsweisen innerhalb einer Situation an das Sozialverhalten eines Individuums. Entwickelt eine Person dauerhaft unter gleichartigen Bedingungen eine Reaktionsweise und verhält sich mit dieser nicht entsprechend der gesellschaftlichen Erwartungen, kann von einer abnormen Gewohnheit gesprochen werden. Krankhaft wird diese abnorme Gewohnheit, wenn die Störung der Impulskontrolle dazu kommt. Ein Impuls ist durch eine spontane und unmittelbare Handlung mit geringer Berücksichtigung der Folgen gekennzeichnet. Er gehört in den Bereich der Persönlichkeit.

 

Kann ein Mensch seinen Impuls nicht mehr kontrollieren, wird von einer Störung der Impulskontrolle gesprochen. Diese Störung kann einen inneren Druck erzeugen, sodass ein an Pyromanie erkrankter Mensch das Gefühl bekommt, er müsse jetzt unbedingt ein Feuer anzünden. Anfangs ist dieses Gefühl meist schwach ausgeprägt, nimmt jedoch an Stärke und Intensität zu, wenn das Bedürfnis nicht befriedigt wird. Es entsteht eine innere Spannung, ein Druck bzw. ein zwanghaftes Gefühl.

 

Für Menschen, die einen solchen inneren Druck bzw. dieses Gefühl der inneren Spannung nicht kennen oder noch nicht bewusst wahr genommen haben, wird es vermutlich schwierig, diesen Sachverhalt zu verstehen.  Daher ein einfaches Beispiel: Stellen Sie sich vor, sie haben an einem Tag besonders viel getrunken. Irgendwann spüren Sie, dass die Flüssigkeit den Körper wieder verlassen will. Nun ergibt sich jedoch die Situation, dass dies aktuell nicht möglich ist. Anfangs stellt das Unterdrücken dieses Bedürfnisses kein Problem dar. Mit zunehmender Dauer ändert sich dies jedoch, bis Sie irgendwann an einem Punkt angekommen sind, an dem es Ihnen egal ist, ob sie gerade in einem wichtigen Meeting oder vor dem Traualtar Ihrer eigenen Hochzeit stehen.

 

Ähnlich ist dies bei Pyromanen auch, nur das ihr Bedürfnis das Anzünden eines Feuers ist und damit eine wesentlich gefährlichere Handlung als der Gang zur Toilette. In dem Augenblick der Bedürfnisbefriedigung schüttet der Körper nun entsprechende Glückshormone aus und erfährt eine Erleichterung. Der Druck, der sich innerlich angestaut hat, kann entweichen. Die Pyromanie ist damit ein krankhafter Brandstiftungstrieb, der eine Persönlichkeits- und Verhaltensstörung beschreibt.

 


Hinweis:

Für das Themengebiet der Pyromanie wurden die Informationen folgenden Literaturquellen entnommen. Eine Übersicht aller Literaturangaben findet sich unter dem Menüpunkt "Literatur".

  • Dejure (2016), Abschnitt 28 - Gemeingefährliche Straftaten: §306 - 306f. Zugriff am 06. August 2016 unter https://dejure.org/gesetze/StGB/306.html (ff).
  • Möller, H.-J., Laux, G. & Deister, A. (2005). Psychiatrie und Psychotherapie (3. überarb. Aufl.). Stuttgart: Thieme.
  • Payk, T.-R. (2007). Psychopathologie - Vom Symptom zur Diagnose (2. übearb. Aufl.). Heidelberg: Springer.
  • Warnke, A. (2005). Störungen der Impulskontrolle und abnorme Gewohnheiten. In Schlottke, P.-F., Silbereisen, R.-K., Schneider, S. & Lauth, G.-W. (Hrsg.), Enzyklopädie der Psychologie - Störungen im Kindes- und Jugendalter - Grundlagen und Störungen im Entwicklungsverlauf (Bd. 5) (S. 726-727 & 736-746). Göttingen: Hogrefe.