Feuerökologie


Unser Planet ist aus Feuer entstanden. Blitzschläge oder Vulkanausbrüche waren ganz natürliche Ursachen, wenn es irgendwo brannte. Über viele Millionen Jahre waren Landschaft und Feuer im Einklang, denn diese natürlichen Feuer waren keinesweg schlecht, sondern eher positiv. Diese Harmonie wurde jedoch zerstört, als der Mensch dazu kam und immer mehr in die Natur eingriff.

Brennendes Feld
Abb. Brennendes Feld

Natürliche Feuer kamen immer wieder vor, ob in Europa, Australien, Asien oder Amerika. Ausgelöst wurden sie von Blitzschlägen oder von Vulkanausbrüchen. Dabei erfüllten sie stets eine wichtige Funktion, denn "die häufigen Feuer säuberten den Wald von schwachem und totem Holz, entzogen den Schadinsekten ihre Brutstätten oder vernichteten diese sogar" (Goldammer, 2001, S. 247). Mehr noch: Sie verhinderten so auch die Akkumulation von organischer Substanz und schafften offene Waldbilder. Das Energiepotenzial auf einem derart "aufgeräumten" Waldboden war gering, sodass sich Brände während extremer Trockenzeit nur mit geringer Intensität und Destruktivität ausbreiten konnten. Das Feuer fras sich lediglich am Boden entlang und stieg nicht in die oberen Stockwerke des Waldes auf, sodass die extrem gefährlichen Kronenfeuer meist ausblieben.

Pyrophyten


Die Natur passte sich diesem Feuerökosystem perfekt an. So entstanden z. B. viele Pflanzenarten, die sich auf das Feuer einstellen konnten oder sich sogar von ihm abhängig machten. Ein Beispiel dafür sind die Mammutbäume in der nordamerikanischen Wildnis. Deren Borke ist bis über einen halben Meter dick und sorgt somit für "die Isolierung des lebenden Gewebes selbst vor den Temperaturen starker Feuerstürme." (Goldammer, 2001, S. 249). Auch anderen Busch- und Baumarten (z. B. in Australien) gelang es, sich auf Feuer einzustellen. "Den Höhepunkt der evolutionären Wirkung des Feuereinflusses bilden die Arten, die in ihrem Überleben vom Feuer abhängig sind. Verschiedene Baum- und Straucharten lagern ihre Samen in Zapfen und Kapseln, die selbst bei starker Sommerhitze und Sonneneinstrahlung verschlossen bleiben. Erst ein Feuer vermag die Samenbehälter zu öffnen und das Saatgut ausfliegen zu lassen." (Goldammer, 2001, S. 251).

 

Diese Pflanzen werden als Pyrophyten bezeichnet. Bei einigen brennt der oberirdische Teil ab, sodass der unterirdische wieder ausschlagen kann. Andere machen sich die Asche des Feuers zunutze, die einen sehr guten Dünger abgibt. Wieder andere benötigen das Feuer für ihre Entwicklungsphase (z. B. die Samenbildung) und deren Verbreitung. Zu diesen Pflanzen gehören neben den Mammutbäumen, auch einige nordamerikanische Kiefern- und Fichtenarten. Würde man diesen Arten die Beeinflussung durch Feuer verwehren, würde man ihr Reproduktionspotenzial und damit ihre Existenz in Frage stellen.

Eingriff durch den Menschen


Herrschte in der Natur eine Dynamik, die dafür sorgte, dass es ganz natürlich immer mal wieder brannte, so veränderte der Eingriff durch den Menschen alles. Durch Funkenflug von Forstmaschinen, Rodungsfeuer oder Zigaretten brannte es auch zu den Momenten, die von der Natur nicht dazu bestimmt waren. Die natürliche Harmonie eines sich erholenden Waldes und eines reinigenden Feuers, das in regelmäßigen Abständen über mehrere Jahre hinweg den Wald durchbrannte, würde zerstört.

Waldbrand
Abb. Waldbrand

Nachdem der Mensch das Feuer beherrschen gelernt hatte, legte er es willkürlich, um Platz zu schaffen für Ackerbau und Viehzucht. Darüber hinaus macht er sich seine reinigende Wirkung zu nutze, denn: "Die Flamme reinigt und fördert. Für einige Zeit vertreibt das Feuer die lokale Flora einschließlich der Mikroorganismen im Boden und lässt einen gereinigten Platz zurück, in dem exotische Arten prächtig gedeihen" (Pyne, 2001, S. 272). Die Gier des Menschen kannte und kennt jedoch keine Grenzen, sodass die übermäßige Feuernutzung mit vielen Problemen behaftet ist.

 

So ist z. B. die Verbrennung des Regenwaldes gleichzusetzen mit dem systematischen Auslöschen einer großen Anzahl von Pflanzen- und Tierarten. Die Fläche, die durch den Menschen, nicht nur im Regenwald, jährlich durch Feuer auf dem gesamten Globus verbrannt wird, erstreckt sich über mehrere Millionen Hektar und trägt damit zu einem weltweiten Anstieg des Treibhauseffektes bei.

 

Dort wo der Wald nicht brennen sollte, wurde das Feuer aus selbigem verband. Auch dies blieb nicht ohne Folgen. Dort, wo das natürliche Feuer den Wald "aufgeräumt" hätte, sammelte sich nun tote Biomasse an, die zu einem Stillstand am Waldboden führte. Das sich nunmehr auftürmende Unterholz erschwert daher nicht nur das Durchkommen für Tiere und Menschen, sondern bildet auch ein gewaltiges Energiepotenzial, das bei Freisetzung dieser thermischen Energie z. B. durch Blitzschlag nicht in den Griff zu bekommen ist. Die Folgen eines Waldbrandes sind so um ein vielfaches Größer, als wenn dieser von naturaus regelmäßig durchgebrannt würde. Darüber hinaus sorgt der Sperrmüll des Waldes dafür, dass die Samen der Mammutbäume mit ihren kurzen Keimwurzeln den Mineralboden nicht mehr erreichen und über die Zeit hinweg absterben.

 

Das Ausbleiben des Feuers veränderte beispielsweise Mitte des letzten Jahrhunderts in den USA auch die Zusammensetzung des Waldes. Laubhölzer übernahmen die Führung und drängten die Kiefern, die eine wirtschaftlich interessante Baumart darstellten, zurück. Im Zuge dessen, bliebt schließlich auch das Jagdwild, wie Wachteln oder Truthähne, deren Habitat eben solche Kiefernwälder sind, aus. Dies war damals der Impuls für die dortigen Forst- und Jagdmanger in Nachahmung der Indianer und des Blitzschlagfeuers zur Fackel zu greifen. Die Strategie des "kontrollierten Brennens" steht daher seit den 70er Jahren im Brennpunkt der feuerökologischen Forschung.

Ausblick:


Der Mensch hat mit seinen Errungenschaften im industrieellen Zeitalter und seiner oft unkompetenten Feuernutzung viele Probleme zu verantworten. Die immer wieder und heutzutage verstärkt auftretenden Naturereignisse von Waldbränden über Erdbeben bis hin zu Überflutungen sind ein mahnendes Beispiel dafür, denn"der Raum auf der Erde wird knapp. Sowohl die Natur als auch die Menschheit werden empfindlicher, und beiden wird es zunehmend unmöglich, sich ungehindert zu entwickeln. Am Beginn des 21. Jahrhunderts hat die Suche nach Lösungen eine hohe Priorität. (...) Die Erkenntnis, daß die Menschheit gegenüber extremen Naturereignissen immer empfindlicher reagiert, fordert nicht nur die Wissenschaftler, sondern auch die Politiker zum Umdenken und Handeln auf. An der Schwelle zum 21. Jahrhundert, das ein Jahrhundert der Naturkatastrophen werden kann, ist ein Paradigmenwechsel und eine Neuorientierung fällig, die beiden Seiten, den Ansprüchen der Natur und denen der Menschen, gerecht werden muß". (Goldammer, 2001, S.267-268). Gelingt es dem Menschen nicht, seine Umwelt zu schonen und mit ihr irgendwann im Einklang zu leben, stehen ihm harte Zeiten bevor, denn eines steht fest: Wenn wir überleben wollen, können wir das nicht gegen die Natur, sondern nur mit ihr und in ihr.