Hyperthermie


Ist der menschliche Körper einer extremen Wärmebelastung ausgesetzt, der er nicht entfliehen kann, kommt es zur Überhitzung und zum Versagen der Hitzetoleranz (die sog. Hyperthermie - das Gegenteil ist die Unterkühlung, die sog. Hypothermie). Wir nehmen Wärme bzw. Hitze jedoch nicht so stark wahr wie Kälte. Dieser Umstand liegt daran, dass „die gesamte Hautoberfläche etwa 300.000 Kältepunkte (Kälterezeptoren), aber nur etwa 30.000 Wärmepunkte besitzt (...)“ (Weineck, 2008, S.18).

Beide Rezeptortypen gehören zu den Thermorezeptoren, welche in der Haut lokalisiert sind und bei unterschiedlichen Temperaturen reagieren. „Die Wärmerezeptoren bilden Erregungen bei Temperaturen zwischen 20 °C und 45 °C (das Maximum der Impulsbildung liegt zwischen 37,5 und 40 °C)“ (Weineck, 2004, S. 725).

Ist der Körper längere Zeit einer hohen Temperatur ausgesetzt, steigt zunehmend auch die Körperkerntemperatur. Bis etwa 41°C bleiben alle Regulationsmechanismen funktionstüchtig. Oberhalb dieser Körperkerntemperatur versagt die Thermoregulation und die Körperkerntemperatur folgt passiv der Umgebungstemperatur. Als höchste mit dem Leben noch zu vereinbarende Körperkerntemperatur gelten (...) ca. 42°C. Vereinzelt wurden Körperkerntemperaturen von 43 °C, niemals bisher 44 °C überstanden (vgl. Weineck, 2004, S. 736).

Ist man nun hohen Außentemperaturen ausgesetzt, steigt zunächst einmal die Schweißproduktion an. Dadurch kommt es langsam aber stetig zu einem Flüssigkeitsverlust, der schließlich zu Störungen im Wasser- und Elektrolythaushalt führt. Die Thermoregulation reagiert auf die Hitzebelastung zudem mit einer Zunahme der Hautdurchblutung. Laut De Marées kann es daraufhin zu einer Diskrepanz zwischen Gefäßkapazität und zirkulierender Blutmenge kommen.

„Die Folge ist ein Kreislaufversagen mit Blutdruckabfall bis hin zur Bewusstlosigkeit infolge Minderdurchblutung des Gehirns. Zunächst einmal kann es nun zur Hitzeerschöpfung kommen, die „durch starke körperliche Schwäche, eine hohe Herzfrequenz (...), Blutdruckabfall (...), verringerte Urinausscheidung“ (Seeling et al., 1983, S. 2009 zitiert nach Weineck, 2004, S. 737) und psychischen Symptomen wie Angst- und Erregungszuständen, Aggressivität, Hysterie oder Psychosen charakterisiert ist. Ist man weiterhin der Hitze ausgesetzt, kommt es zu einem Hitzschlag. Dieser kann lebensbedrohlich sein und wird auch als hyperthermisches Koma bezeichnet. Beim Hitzschlag hat die Wärmeregulation versagt und die Schweißproduktion ist weitgehend eingestellt. Die Körperkerntemperatur ist exzessiv gesteigert (über 41,5 °C) und Störungen des Zentralnervensystems und des Kreislaufs sind die Folge. Wird auf einen Hitzschlag nicht frühzeitig reagiert tritt meist der Tod ein (-> Notruf: 112!). Sowohl für die Hitzeerschöpfung, wie auch für den Hitzschlag gilt, dass eine schnellstmögliche Klinikeinweisung erforderlich ist (vgl. De Marées, 2003, S. 562; Weineck, 2004, S. 737). Aufgrund dieser Reaktionen des Organismus sollte man den zu lange dauernden Hitzeaufenthalt meiden und stets ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen.