Hautverbrennungen


Kommen wir (ggf. in kürzester Zeit) mit starker Hitze in Kontakt, so sind Hautverbrennungen die Folge. Was genau ist jedoch eine Hautverbrennung und was passiert dabei? Bevor diese Frage beantwortet wird, soll zunächst erwähnt werden, dass sich der Schweregrad einer Brandverletzung nach dem Ausmaß und der Tiefe der verbrannten Oberfläche bemisst, wobei begleitende Verletzungen das Trauma zusätzlich verstärken (vgl. Deutsche Gesellschaft für Verbrennungsmedizin DGV, 2010). Verbrennungen werden in der internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD-10) unter dem Kapitel XIX „Verletzungen, Vergiftungen und bestimmte andere Folgen äußerer Ursachen“ und genauer unter dem Code T20 – T25 „Verbrennungen oder Verätzungen der äußeren Körperoberfläche, Lokalisation bezeichnet“ geführt.

Verbrennung 1. Grades

Abb. Verbrennung 1. Grades
Abb. Verbrennung 1. Grades

Insgesamt werden Verbrennungen in vier Grade eingeteilt. Eine Verbrennung 1. Grades tritt durch eine starke Hitzeentwicklung von außen auf das Gewebe der (Ober-)haut ein, z. B. durch Flammeneinwirkung (900°C = mittlere Flammentemperatur) oder auch starke Sonnenstrahlung. Dabei kommt es zunächst zu einem kontinuierlichen Wasserverlust innerhalb der betroffenen Zellen. Die Zellen werden geschädigt und die Durchblutung erhöht. Je nach Dauer und Temperatur der Hitzeeinwirkung auf die Haut kommt es zudem zu einer Gerinnung der Eiweißanteile. Die Haut wird, bedingt durch die erhöhte Durchblutung, rot und beginnt zu Schmerzen. Verbrennungen 1. Grades sind mit einem Sonnenbrand vergleichbar und heilen ohne Folgeschäden nach wenigen Tage vollständig ab. Als sofortige Maßnahme beim Eintreten einer derartigen Verbrennung wird allgemein das Kühlen mit Wasser empfohlen. Allerdings sollte das Wasser eine Temperatur von 15 °C – 20 °C aufweisen und kein Eiswasser sein, weil es sonst zu einer zusätzlichen Gewebsschädigung durch Erfrierung kommt (vgl. MedizInfo, 2010).

Verbrennung 2. Grades

Schlimmer sieht es schon bei der Verbrennung 2. Grades aus, wobei in eine Verbrennung 2a und eine Verbrennung 2b unterteilt wird. Bei der Verbrennung 2a kommt es, neben der anfänglichen Rötung, direkt oder später zur Blasenbildung. Betroffen von diesem Grad ist die Oberhaut und oberflächliche Anteile der Haut mit Sequestierung (als Sequestierung bezeichnet man in der Medizin ein abgestorbenes Gewebestück). Eine Verbrennung vom Grad 2a schmerzt wesentlich stärker, als eine vom Grad 2b, bei welcher die Gewebsschädigung deutlich tiefer ist. Der Untergrund ist nun auch nicht mehr rot, sondern hell und es ist neben der Oberhaut auch die oberste Lederhaut betroffen. Auch bei diesem Grad kommt es zur Blasenbildung. Diese sind mit Flüssigkeit gefüllt, die einen idealen Nährboden für Bakterien darstellt. Da die Haarwurzeln, Rezeptoren und Drüsen intakt bleiben, kommt es zu starken Schmerzen. Eine Verbrennung 2. Grades hinterlässt zwar in der Regel keine Narben, kann jedoch zu einer Störung der Hautpigmente in den betroffenen Bereichen führen. Der Heilungsprozess dauert nun nicht mehr nur ein paar Tage, sondern zwei bis drei Wochen.

Abb. Verbrennung 2. Grades (2a)
Abb. Verbrennung 2. Grades (2a)
Abb. Verbrennung 2. Grades (2b)
Abb. Verbrennung 2. Grades (2b)

Verbrennung 3. Grades

Abb. Verbrennung 3. Grades
Abb. Verbrennung 3. Grades

Bei einer Verbrennung 3. Grades ist die Haut tiefgreifend geschädigt, sodass sowohl Oberhaut (Epidermis), Lederhaut (Dermis) und Unterhaut (Subkutis) betroffen sind. Auch die Drüsen, Rezeptoren und Blutgefäße sind zerstört bzw. verbrannt. Aus diesem Grund bluten Wunden in diesem Grad nicht und sind zudem schmerzlos. Nur an den Randbereichen treten starke Schmerzen auf, weil die Verbrennung dort nahtlos in den 2. Grad übergeht. Die Wunden sind hier stark infektionsgefährdet und weißlich bis schwarz verkohlt. Bei der Heilung des Gewebes kommt es zur Narbenbildung und sofern es über Gelenke verläuft, kann es ebenfalls zu Bewegungseinschränkungen kommen (vgl. MedizInfo, 2010).

Verbrennung 4. Grades

Abb. Verbrennung 4. Grades
Abb. Verbrennung 4. Grades

Der vierte Verbrennungsgrad ist noch schwerwiegender. Auch Muskeln und Knochen können betroffen sein und eine spontane Heilung tritt nicht mehr ein.

 

Verbrennungen können sehr schmerzhaft und gefährlich sein, weil die Funktion des Gewebes erheblich gestört oder sogar zerstört sein kann. Aus diesem Grund ist es auch wichtig zu hinterfragen, ab wann Verbrennungen gefährlich sind. Verbrennungen des 1. Grades sind in der Regel ungefährlich, auch wenn sie schmerzen. Sie sind mit meinem Sonnenbrand vergleichbar. Bei Verbrennungen des zweiten und dritten Grades kommt es immer auch darauf an, wie viel Prozent der Körperoberfläche betroffen sind. Ab ca. 10 % bei einem Erwachsenen und 5 % bei Kindern sollten die Geschädigten unbedingt in eine Spezialklinik gebracht werden, weil es zu einem hypovolämischen Schock kommen kann. Bei dieser Art des Schocks kommt es zu einer Verminderung des Blutvolumens, wodurch die Sauerstoffversorgung der Gewebe nicht mehr optimal gegeben ist und zusätzlich die Pumpleistung des Herzens beeinträchtigt wird. Dieser Zustand ist lebensbedrohlich und setzt sich unbehandelt weiter fort. Zur Beurteilung des Schweregrades wird an dieser Stelle bei erwachsenen die Neuner-Regel angewandt. Diese Regel kann auch bei Kindern zu Anwendung kommen, sollte dort aber enger ausgelegt werden, weil diese im Vergleich zu Erwachsenen andere Körperproportionen aufweisen.

 

Einteilung des Schweregrades nach der Neuner-Regel (vgl. MedizInfo, 2010):

  • 9 Prozent für jeweils Arm, Oberschenkel,
    Unterschenkel und Kopf
  • 18 Prozent für die vordere Rumpfseite
  • 18 Prozent für die hintere Rumpfseite
  • 1 Prozent für den Genitalbereich


Eine weitere Möglichkeit ist die Berechnung anhand der Faustregel, dass die Handfläche einschließlich der Finger des Patienten ca. 1 % der Körperoberfläche beträgt. Sind 80 % oder mehr der Hautoberfläche von einer Verbrennung betroffen, tritt in der Regel der Tod ein, trotz intensiver Behandlung.


MERKE: Darüber hinaus gilt für die Erste Hilfe, dass sollte man sich nicht sicher sein, wie stark die Verbrennung ist und ob fachliche Hilfe hinzuziehen ist, sollte man lieber einmal mehr die 112 wählen. Sicherheit hat stets höchste Priorität!

Verbrennungsphysiologie


Nach dem bisherigen Wissen lässt sich leicht erahnen, dass ein Verbrennen bei lebendigem Leibe mit viel Schmerz und Leid verbunden ist. Einige Pyromanen hegen jedoch den geheimen Wunsch genau dies zu erleben. So wollen den Flammentod sterben. Daher soll die Frage gestellt werden: Was passiert dabei mit dem Körper? Tipp: Alle Personen, die zart besaitet sind, sollten an dieser Stelle nicht weiterlesen.

Direkt nach der Entflammung, verbrennen als erste Reaktion die Tasthärchen auf der Haut. Da in diesen keine Schmerzrezeptoren vorhanden sind, tut dies nicht weh. Sie bestehen jedoch aus Proteinen bzw. aus Aminosäuren, die wiederum Stickstoff enthalten. Bei der Zersetzung dieser Eiweiße entstehen Stickstoffverbindungen, die nach verbranntem Horn und sehr ekelig riechen.

Unmittelbar nach der Entflammung des Körpers reagieren auch die Thermorezeptoren und die Nozisensoren, die für das Schmerzempfinden zuständig sind. Die Sinnesreize werden sofort zum Gehirn an das zentrale Nervensystem (ZNS) gesendet und dort verarbeitet. Von hier aus erfolgt automatisch eine entsprechende Reaktion, die diesen bedrohlichen Zustand beenden soll. Die Reizstärke des Schmerzes nimmt dabei über die Dauer des eigenen Brennens weiter zu, sodass das ZNS immer mehr mit entsprechenden Reizen überflutet wird.

Durch die von außen auf den Körper einwirkende Hitze, reagiert die Thermoregulation zunächst mit einer Gefäßweitstellung, um diese übermäßige Wärme durch einen erhöhten Blutstrom gemäß der Wärmekonvektion wieder abzugeben. Bedingt durch diesen erhöhten Blutfluss rötet sich die Haut und erreicht den ersten Verbrennungsgrad.

Bleibt dieser Vorgang bedingt durch das in Flammenstehen und dem damit verbundenen weiteren Anstieg der Körperkerntemperatur ohne Erfolg, versagt ab einer Temperatur von ca. 41 °C – 42 °C die Thermoregulation des Körpers. Die Haut beginnt sich zunächst gelblich zu verfärben und wirft die ersten Blasen. Diese sind mit einer Flüssigkeit gefüllt, die einen idealen Nährboden für Bakterien darstellt, sofern die Verbrennung zu diesem Zeitpunkt gestoppt werden kann.

Betroffen ist zunächst nur die Oberhaut, wobei nach und nach auch die Leder- und Unterhaut betroffen werden. Die Reizstärke nimmt weiterhin zu, was durch einen deutlichen Anstieg der empfundenen Schmerzen wahrgenommen werden kann. In der Folge stirbt das obere Gewebe, welches inzwischen stark durch das Feuer geschädigt ist, ab. Der zweite Verbrennungsgrad ist erreicht.

 

Wird das Feuer nicht gelöscht und brennt man weiter, so wird nun auch die Leder- und Unterhaut geschädigt. Auch die in der Haut befindlichen Drüsen, Rezeptoren und Blutgefäße werden zerstört. Ab diesem Zeitpunkt empfindet man trotz des Brennens keinen Schmerz mehr, weil auch die Schmerzrezeptoren zerstört sind. Man befindet sich nun mitten im dritten Verbrennungsgrad, für den es zwar noch eine Heilung gibt, diese jedoch langwierig und nicht ohne Narbenbildung abläuft.

Findet eine weitere Verbrennung statt, verändern sich die Hautpigmente von dem erst gelblichen über das bräunliche zum schwarz verkohlten Farbton. Das in den Zellen befindliche Wasser verdampft schlagartig, kann jedoch nicht einfach so den Körper verlassen, sodass es zu starken Schwellungen kommt. Dabei kommt es vor, dass z. B. das Gesicht aufgedunsen ist wie ein Ballon und die Augen zu Schlitzen zugeschwollen sind. Die Haut auf Brust, Bauch und den Oberschenkeln verbrennt durch die Gluthitze zu einer einzigen Wunde. Die Luft in den Lungen dehnt sich extrem aus und bringt die Lungenflügel zum Platzen. Verkocht das Körperfett, schimmert es anschließend weißlich. Die Endglieder können wir Vogelkrallen starr und schwarz aussehen. Auch die Kopfhaare verschmoren und sind rußig. Durch diesen Verbrennungsprozess riecht es süßlich nach verbranntem Fleisch. Auch die Muskeln und Knochen werden nun betroffen und eine spontane Heilung tritt nicht mehr ein, sodass bei 80% und mehr verbrannter Hautoberfläche, trotz intensiver Behandlung, der Tod die Regel ist.